Hormus-Krise

Ölpreise ziehen deutlich an: Weitere US-Angriffswelle am Golf - Trump dementiert Schließung der Straße von Hormus


Ölpreise ziehen deutlich an: Weitere US-Angriffswelle am Golf - Trump dementiert Schließung der  Straße von Hormus

Nach neuen US-Angriffen auf Iran erklären die Revolutionsgarden die wichtigste Öl-Wasserstraße der Welt für gesperrt - Donald Trump widerspricht.

  • Irans Revolutionsgarden erklären die Straße von Hormus für gesperrt und attackieren US-Ziele in Nachbarstaaten
  • USA fliegen dritte Angriffswelle diese Woche mit über 140 Zielen im Iran
  • Diplomatische Krisengespräche im Oman enden ohne Durchbruch
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Der Konflikt zwischen Iran und den USA spitzt sich weiter drastisch zu, und damit rückt auch der Ölpreis wieder in den Blick der Märkte. Der Iran hat neue Angriffe im Südwesten des Landes gemeldet. In der Industriestadt Abadan an der Grenze zum Irak wurden dabei zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt, wie die Nachrichtenagentur Isna berichtete. Laut dem Vizegouverneur der betroffenen Provinz Chusestan ereigneten sich die Angriffe kurz nach Mittag (Ortszeit). Die Behörden machten die USA für die Luftangriffe verantwortlich. Eigentlich hatte das US-Militär seine jüngste Angriffswelle am frühen Morgen für beendet erklärt.

US-Militär erklärt Angriffe auf Iran vorerst für beendet

Im Konflikt um die Straße von Hormus treiben Washington und Teheran die Eskalation am Persischen Golf weiter voran. Bereits zum vierten Mal in weniger als einer Woche griff das US-Militär den Iran an. Die im Iran mächtigen Revolutionsgarden reagierten erneut mit Vergeltungsangriffen auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain sowie auf das gut 1.000 Kilometer entfernte Jordanien. Ob es einen diplomatischen Ausweg gibt oder wie eine Rückkehr zur Waffenruhe gelingen soll, ist völlig unklar.

Das US-Militär attackierte mit ihrer jüngsten Angriffswelle eigenen Angaben nach Dutzende Ziele an mehreren Orten im Iran. Ziel sei, Irans Fähigkeit zu schwächen, Schiffe in der für den weltweiten Energiehandel wichtigen Straße von Hormus anzugreifen, teilte das für die Region zuständige US-Kommando Centcom mit. Neben Kampfflugzeugen und Flugdrohnen wurden demnach erstmals auch schwimmende Kampfdrohnen eingesetzt.

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Die Revolutionsgarden zielten iranischen Medien zufolge als Reaktion unter anderem auf ein mobiles Raketenartilleriesystem der US-Armee in Kuwait, auf Treibstofftanks und Munitionslager des Luftwaffenstützpunkts Prince Hassan in Jordanien sowie auf ein Kontrollzentrum des US-Stützpunkts Scheich Isa in Bahrain. Außerdem sei ein Radar zur Erkennung von Schiffen im Sultanat Oman angegriffen und zerstört worden. Die Angaben beider Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Berichte über Explosionen an Irans Südküste

Iranische Medien meldeten in der Nacht zum Montag erneut Explosionen an der Südküste, unter anderem auf der Insel Gheschm und in Sirik nahe der Straße von Hormus. Beide Orte waren bereits in den vergangenen Tagen mehrfach Ziel von Bombardierungen. Auch die Industrieprovinz Chusestan im Südwesten Irans wurde angegriffen. In der Stadt Mahschahr sei ein Wachmann getötet worden, der vor einer landwirtschaftlichen Wasserpumpstation stationiert war, berichtete das Onlineportal "Hammihan".

Der als Vahid bekannte Netzjournalist berichtete über heftige Explosionen in einer Hafenstadt am Persischen Golf. "In Bandar Abbas schlagen sie ununterbrochen zu, und die Schüler der elften Klasse müssen in einer Stunde in der Schule sein, weil sie eine Prüfung haben", zitierte er einen Bewohner. "Es ist die größte Ungerechtigkeit gegenüber den Kindern im Süden. Wegen der Explosionsgeräusche haben sie die ganze Nacht kein Auge zugemacht."

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Warum der Iran die offene Konfrontation in Kauf nimmt

Mehrfach hatte der Iran innerhalb der vergangenen Woche Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen. Damit begründeten die USA wiederum ihre Angriffe. Obwohl sich die Konfliktparteien Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt hatten, das auch die Forderung nach einer Öffnung der für den globalen Energiehandel wichtigen Meerenge beinhaltet, ist der Streit darum nicht gelöst.

Schon kurz nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe erwies sich die Straße von Hormus für die Führung in Teheran als wirkungsvolles Druckmittel, um den USA in Verhandlungen Zugeständnisse abzuringen.

"Der Iran betrachtet die Kontrolle über die Straße von Hormus als ein wichtiges strategisches Ziel, und seine Führung ist der Ansicht, dass ein Kriegsende ohne die Kontrolle über die Meerenge eine schwere strategische Niederlage bedeuten würde", heißt es in einer aktuellen Analyse des Critical Threats Project (CTP), das von den in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW) und American Enterprise Institute betrieben wird.

Mit Drohungen und Angriffen hatte der Iran den Verkehr faktisch zum Erliegen gebracht. Eine Normalisierung der Lage ist weiter nicht in Sicht. Das spiegelt sich auch in den Energiepreisen wider - am Montag zogen die Ölpreise wieder deutlich an. Die gestiegenen Energiepreise erhöhen auch den innenpolitischen Druck auf US-Präsident Trump.

Experte: Irans Führung pragmatischer, aber nicht gemäßigter

Mit der Tötung einflussreicher Generäle und hochrangiger Politiker haben die Revolutionsgarden, Irans mächtige Militärorganisation, nach gängiger Experteneinschätzung ihre Macht in der Islamischen Republik weiter ausgebaut. Die neue Führung sei sich bewusst, dass gegenüber den USA ein gewisses Maß an Pragmatismus erforderlich ist, schrieb der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Israel Hayom".

Teheran sei heute eher bereit, konsequent militärische Gewalt einzusetzen, schrieb Citrinowicz. Es handle sich um eine Führung, die "bei der Bewältigung der Krise pragmatischer vorgeht, ideologisch jedoch nicht gemäßigter ist". Washington müsse sich entscheiden: die Konfrontation in der Straße von Hormus zu verschärfen oder eine Vereinbarung zu akzeptieren und sich darauf zu konzentrieren, Teheran am Bau einer Atomwaffe zu hindern.

Oman und Iran sprechen über Meerenge - kein Durchbruch

In dem Mitte Juni unterzeichneten Rahmenabkommen sagte Iran zu, sich "nach besten Kräften" um eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage von Handelsschiffen durch die Meerenge zu bemühen. Zudem sollten Iran und Oman unter Einbeziehung weiterer Golfanrainer über die künftige Verwaltung der Straße von Hormus beraten.

Oman, das in dem Konflikt auch als Vermittler auftrat, legte in den vergangenen Tagen einen Vorschlag für eine gebührenfreie Durchfahrt der Meerenge vor. Demnach soll der Schiffsverkehr auf der südlichen Route wie vor dem Krieg frei möglich sein, berichtete der Sender CNN. Für die nördliche Route entlang der iranischen Küste wären dem Sender zufolge Genehmigungen Teherans nötig. Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten ohne Durchbruch.

Iran droht mit Blockade nach US-Ultimatum

Die IRGC-Marine erklärte, ein kommerzielles Schiff habe eine nicht genehmigte Route in der Meerenge angesteuert, seine Ortungssysteme abgeschaltet und sei nach einem Warnschuss zum Stillstand gebracht worden. Die Straße von Hormus bleibe nun geschlossen, bis die USA ihre "Einmischung" in der Region beendeten. Wie dpa unter Berufung auf US-Regierungskreise berichtet, hatte Washington der Führung in Teheran zuvor eine Frist bis Samstag gesetzt, um eine freie und sichere Schifffahrt öffentlich zu garantieren. Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr des globalen Energiehandels - eine anhaltende Blockade droht die ohnehin fragilen weltweiten Lieferketten komplett lahmzulegen.

Trump widerspricht Iran: Straße von Hormus ist offen

US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus entgegen iranischer Aussagen als offen für den Schiffsverkehr erklärt. "Sie ist offen", sagte Trump am Sonntag in der NBC-Sendung "Meet the Press". Auch das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom schrieb in einem Post auf der Plattform X, die für den Handel wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße, die der Iran nicht kontrolliere.

Trump: Setzen Seeblockade gegen iranische Häfen wieder ein

Kurz nach neuen US-Angriffen auf den Iran hat US-Präsident Donald Trump die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Allen anderen Ländern soll ein "fairer und offener" Zugang zur Meerenge möglich sein, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit.

Zugleich kündigte Trump an, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der Meerenge aus "Fairnessgründen" Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen. Dies solle die Kosten, die im Zuge der Sicherstellung der Passage anfallen, kompensieren. Der Prozess und die Umsetzung würden umgehend beginnen, schrieb er weiter. Weitere Details blieben offen, etwa wer genau für den Beitrag aufkommen soll.

Seeblockade zuvor im Zuge des Rahmenabkommens aufgehoben

Im Zuge der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Islamische Republik Anfang März die wichtige Meerenge durch Drohungen und Angriffe für den Schiffsverkehr weitestgehend unpassierbar gemacht. Die USA reagierten im Verlauf mit einer eigenen Seeblockade für Schiffe, die iranische Häfen anliefen oder verlassen sollten. Im Zuge des Rahmenabkommens zwischen den beiden Ländern hob Washington seine Blockade Mitte Juni auf.

In der Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran sagte Teheran zudem zu, sich "nach besten Kräften" um eine sichere und für 60 Tage gebührenfreie Passage von Handelsschiffen durch die Meerenge zu bemühen. Allerdings kam es jüngst erneut zu mehreren dem Iran zugeschriebenen Angriffen auf Schiffe in der Meerenge, auf die die USA wiederum mit Angriffen auf den Iran reagierten.

Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) teilten am Wochenende mit, dass die Meerenge bis auf weiteres und bis zum Ende der US-amerikanischen Eingriffe in der Region geschlossen bleibe. Die Durchfahrt sei verboten. Trump widersprach dem. Auch jetzt schrieb er in seinem Post, die Straße von Hormus sei "offen und wird offen bleiben, mit oder ohne Iran".

In der Folge der jüngsten Angriffe war die Schifffahrt durch die Straße von Hormus in den vergangenen Tagen erneut drastisch zurückgegangen. Laut Daten des Anbieters Kpler passierten am Sonntag lediglich 14 Schiffe die Meerenge - der niedrigste Wert in diesem Monat. Vor Kriegsbeginn durchquerten im Schnitt mehr als 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus.

Trump fordert "Entschädigung" für US-Geleit

Kurz vor seinem Post auf Truth Social hatte Trump bereits in einem Telefonat mit dem US-Sender Fox News seine Absicht erklärt, die Straße von Hormus kontrollieren zu wollen. "Wir werden die Meerenge behalten, sie wahrscheinlich betreiben und Wächter der Meerenge werden", sagte Trump am Vormittag (US-Ortszeit). Zugleich führte er fort, dass die Vereinigten Staaten für ihren Schutz "entschädigt" werden sollten. Er begründete sein Vorhaben damit, dass man nicht erwarten könne, dass die USA dies "umsonst" täten.

Gebühren für Schutz, keine Gebühren für Durchfahrt?

Ende Juni hatte sein Außenminister Marco Rubio noch betont, kein Land habe das Recht, für die Nutzung internationaler Gewässer Geld zu verlangen. Eine solche Forderung werde niemals Bestandteil eines akzeptablen Abkommens sein. "Man kann es Maut oder Gebühr nennen", sagte Rubio.

Die Straße von Hormus sei internationales Gewässer und gehöre keinem Staat. Dies sei ein grundlegendes Prinzip der internationalen Ordnung. Würde man akzeptieren, dass Staaten Gebühren für die Nutzung internationaler Gewässer verlangten, nur weil diese in der Nähe ihres Hoheitsgebiets lägen, könnte sich ein solcher Anspruch weltweit ausbreiten, argumentierte Rubio weiter.

Wie reagieren die Ölpreise?

Die Ölpreise haben am Montag im Verlauf ihre ohnehin schon deutlichen Gewinne erheblich ausgeweitet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt 82,75 US-Dollar. Damit stieg der Preis der globalen Referenzsorte um knapp neun Prozent.

Trotz der seit letzter Woche größer werdenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran bewegt sich der Ölpreis immer noch deutlich unter dem Niveau vom Beginn des Konflikts. So hatte ein Barrel der Referenzsorte Brent zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet.

Im Konflikt um die Straße von Hormus treiben Washington und Teheran die Eskalation am Persischen Golf weiter voran. Bereits zum vierten Mal in weniger als einer Woche griff das US-Militär den Iran an. Die im dem Land mächtigen Revolutionsgarden reagierten erneut mit Vergeltungsangriffen auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain sowie auf das gut 1.000 Kilometer entfernte Jordanien. Ob es einen diplomatischen Ausweg gibt oder wie eine Rückkehr zur Waffenruhe gelingen soll, ist völlig unklar.

Die jüngsten Entwicklungen seien zwar eskalierend, blieben aber "deutlich unterhalb eines offenen Kriegszustands", sagte Saul Kavonic, Senior-Energieanalyst bei MST Marquee, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ölpreise dürften so lange weiter leicht steigen, wie die Angriffe andauerten und die Passage durch die Straße von Hormus dadurch beeinträchtigt werde.

In den ersten Wochen und Monaten des Konflikts war der Ölpreis deutlich gestiegen. Ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet.

Alexandra Hesse, Evelyn Schmal, Julia Walter, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires

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