Realzins im Fokus

Nach Inflationsdaten: Hat der größte Gegenwind für den Goldpreis seinen Höhepunkt erreicht?


Nach Inflationsdaten: Hat der größte Gegenwind für den Goldpreis seinen Höhepunkt erreicht?

Nach Monaten scharf steigender Realzinsen zeigt der Goldpreis plötzlich wieder Kraft, ein Blick auf die Anleihemärkte verrät, warum der Wendepunkt gekommen sein könnte.

  • Goldpreis steigt, nachdem die US-Inflation für Juli im Rahmen der Erwartungen blieb
  • BCA Research und Jefferies sehen den größten Gegenwind durch steigende Realzinsen als weitgehend ausgestanden an
  • Strukturelle Nachfrage von Zentralbanken stützt den Markt zusätzlich
Werbung

Der nachlassende Inflationsdruck in den USA hat den Goldpreis zuletzt angetrieben. So konnte er auf Monatssicht um rund zehn Prozent zulegen.

Der von der Fed stark beachtete US-Verbraucherpreisindex blieb im Juli mit einem Anstieg von 0,1 Prozent im Monatsvergleich und 3,4 Prozent im Jahresvergleich exakt im Rahmen der Erwartungen. Die Preisentwicklung nimmt der Sorge vor einer weiteren Zinserhöhung der Federal Reserve etwas Wind aus den Segeln, und genau dieser Faktor hatte dem zinslosen Edelmetall zuletzt am stärksten zugesetzt.

Warum steigende Realzinsen zum größten Belastungstest wurden

Der Kursverlauf der vergangenen Monate erklärt, warum ein einzelner Inflationsbericht solche Wirkung entfaltet. Zu Jahresbeginn rechnete der Markt noch mit ein bis zwei Zinssenkungen der Fed, inzwischen wird über ein bis zwei Erhöhungen spekuliert. Jefferies bezifferte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz, kurz TIPS, Anfang August auf rund 2,41 Prozent, nach 1,94 Prozent zum Jahresstart, wie Kitco News unter Berufung auf die Bank berichtete. Diese Verschiebung erhöht die Opportunitätskosten des Goldbesitzes und drückte den Preis zeitweise mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch von knapp über 5.600 US-Dollar, erreicht im Januar dieses Jahres.

Werbung

Analysten sehen den Höhepunkt der Realzinsen erreicht

BCA Research argumentierte in dieser Woche, der größte Teil des Gegenwinds durch die Realzinsen liege wahrscheinlich hinter dem Markt. Chef-Rohstoffstrategin Roukaya Ibrahim betonte laut Kitco News, Investoren benötigten keine Zinssenkungen der Fed für eine neue Rally, es reiche bereits, wenn Realzinsen und der US-Dollar aufhören zu steigen. Der World Gold Council verweist darauf, dass Gold den Juli praktisch unverändert bei 4.027 US-Dollar beendete, obwohl die Realrenditen deutscher Bundesanleihen das höchste Niveau seit 15 Jahren markierten. Trotzdem flossen europäischen Gold-ETFs im selben Zeitraum weiter Mittel zu.

Goldpreis: Strukturelle Nachfrage bleibt Stütze

Neben der Zinsdebatte bleibt die strukturelle Nachfrage nach Gold intakt. Zentralbanken kaufen weiter zu, die Debatte um eine Abkehr vom US-Dollar als Leitwährung hält an, und geopolitische Risiken sind nicht verschwunden. BCA Research erwartet, dass offizielle Käufe dem Markt zumindest einen Boden geben, auch wenn sie nicht mehr für die ausgeprägten Kursschübe früherer Jahre sorgen.

Thomas Zoller, Redaktion finanzen.net

Bildquellen: I. Pilon / Shutterstock.com, hidesy / Shutterstock

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.