Zentralbanken kaufen Gold

Die Gold-Wette der Notenbanken: Warum sie ihre Reserven in Q2 weiter ausbauen


Die Gold-Wette der Notenbanken: Warum sie ihre Reserven in Q2 weiter ausbauen

Notenbanken haben ihre Goldkäufe im zweiten Quartal wieder deutlich hochgefahren - mit weitreichenden Folgen für den Goldpreis.

  • Notenbanken kauften im zweiten Quartal wieder 289 Tonnen Gold
  • Gesamte Goldnachfrage blieb mit 1.269 Tonnen stabil
  • Gold-Trends in Q2 im Blick
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Die Notenbanken sind im zweiten Quartal 2026 zum wichtigsten Treiber der weltweiten Goldnachfrage zurückgekehrt. Nach einem schwachen ersten Quartal, das vor allem auf eine nach unten korrigierte Datenbasis zurückging, kauften Zentralbanken zwischen April und Juni laut dem World Gold Council wieder rund 289 Tonnen Gold. Damit kehrte die Kauftätigkeit dieser Gruppe auf das hohe Niveau zurück, das in den vergangenen vier Jahren üblich war. Wer an der Preisentwicklung von physischem Gold teilhat, dürfte diese Rückkehr der offiziellen Käufer als stabilisierendes Signal werten.

Notenbanken bleiben struktureller Nachfragefaktor

Die Erholung der Notenbank-Käufe fällt in ein Umfeld, in dem die Gesamtnachfrage nach Gold im zweiten Quartal weitgehend stabil blieb. Insgesamt lag die weltweite Goldnachfrage inklusive OTC-Geschäften laut dem World Gold Council bei rund 1.269 Tonnen und damit auf Vorjahresniveau. Für das erste Halbjahr summierte sich die Nachfrage auf gut 2.500 Tonnen, ein leichtes Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Anders als bei privaten Anlegern, die im zweiten Quartal teils Kasse machten, zeigten sich die Zentralbanken von der schwächeren Preisdynamik unbeeindruckt und bauten ihre Reserven weiter aus. Das unterstreicht, dass die Diversifizierung von Währungsreserven zugunsten von Gold ein strukturelles Motiv ist und nicht von kurzfristigen Kursschwankungen abhängt.

Privatanleger und ETFs verhalten sich gegenläufig

Während Notenbanken zukauften, zogen private Anleger über börsengehandelte Goldfonds per saldo Kapital ab. Gold-ETFs verzeichneten im zweiten Quartal Nettoabflüsse von rund 45 Tonnen, ausgelöst durch schwächere Goldpreise sowie, besonders in Nordamerika, nach oben angepasste Erwartungen an Inflation und Zinsen bei zugleich stärkerem US-Dollar. Die Nachfrage nach Barren und Münzen hielt sich mit rund 307 Tonnen dagegen stabil und kehrte damit nach zwei außergewöhnlich starken Quartalen zu eher gewöhnlichen Kaufniveaus zurück. Dieses gegenläufige Verhalten zeigt, wie unterschiedlich die einzelnen Käufergruppen auf das aktuelle Zins- und Preisumfeld reagieren, während die Notenbanken als verlässlicher Nachfrageanker wirken.

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Schmucknachfrage bricht ein, Goldpreis bleibt hoch

Deutlich unter Druck stand dagegen die Schmucknachfrage, die auf rund 278 Tonnen fiel und damit ihren niedrigsten Quartalswert seit der Pandemie erreichte. Hohe Goldpreise und ein insgesamt inflationäres Umfeld schränkten die Erschwinglichkeit weiter ein. In US-Dollar gerechnet stiegen die Ausgaben für Goldschmuck trotzdem um 14 Prozent auf rund 40 Milliarden US-Dollar, was den hohen Preisen und nicht einer höheren verkauften Menge zu verdanken ist. Der Goldpreis selbst notierte im Quartalsdurchschnitt bei rund 4.506 US-Dollar je Feinunze und damit rund 8 Prozent unter dem Rekordschnitt aus dem ersten Quartal, aber weiterhin gut ein Drittel über dem Vorjahreswert.

Ausblick: Notenbanken bleiben aktiv, aber gemächlicher

Für die zweite Jahreshälfte rechnet der World Gold Council mit einem weiteren starken, aber im Vergleich zu 2025 etwas schwächeren Jahr bei den Notenbank-Käufen. Die Investmentnachfrage insgesamt soll zunehmend von OTC-Aktivität und asiatischen Käufern getragen werden, während die Schmuckvolumen unter den hohen Preisen weiter leiden dürften. Beim Angebot sehen die Analysten nur begrenztes Wachstumspotenzial bei Minenproduktion und Recycling. Ob sich die Notenbank-Käufe im weiteren Jahresverlauf tatsächlich verlangsamen, dürfte sich vor allem an den kommenden Quartalsdaten der großen Käuferländer ablesen lassen.

Wer in physisches Gold investiert, sollte sich der Risiken bewusst sein: Der Goldpreis kann schwanken, hängt von Zins- und Dollarentwicklung ab und ETCs bilden zusätzlich ein Kontrahentenrisiko gegenüber dem Emittenten ab. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

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