Lane: EZB-Zinserhöhungen könnten Kredite ungewöhnlich stark bremsen
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Kreditvergabe im Euroraum könnte nach Aussage von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane derzeit stärker als sonst üblich unter den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) leiden. Lane sagte beim Enterprise Ireland Summit 2023 laut veröffentlichtem Redetext: "Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) geht die Kreditvergabe an Unternehmen schneller zurück als in früheren Phasen einer geldpolitischen Straffung - und die Märkte erwarten, dass sie in diesem Jahr noch deutlich weiter zurückgehen wird."
Ein Grund dafür könnte Lane zufolge sein, dass "das Tempo und der Umfang der derzeitigen Leitzinserhöhungen außergewöhnlich" sei. "Dies könnte bedeuten, dass die Kreditaufnahme zum gegenwärtigen Zeitpunkt stärker auf Zinserhöhungen reagiert." Als weitere Gründe nannte der EZB-Chefvolkswirt eine erhöhte Risikowahrnehmung der Banken und dass die derzeitige Straffung vor dem Hintergrund negativer Angebotsschocks erfolge.
Lane zufolge wird die EZB bei ihrer Zinsentscheidung am 4. Mai nicht nur Makro-Daten wie Verbraucherpreise und BIP berücksichtigen, sondern auch darauf achten, wie die Turbulenzen im Bankenmarkt die Kreditvergabe an Unternehmen beeinflussen. Dazu werde sie die Ergebnisse ihres Quartalsberichts zur Kreditvergabe (2. Mai), ihrer April-Telefonumfrage unter Unternehmen und - mit Blick auf die Juni-Ratssitzung - die der Umfrage zum Zugang zu Finanzierung (Safe) auswerten.
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April 19, 2023 07:58 ET (11:58 GMT)