Lane: Großer EZB-Zinsschritt war angemessen - Energie treibt Inflation
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hat die Anhebung der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) um 75 Basispunkte verteidigt, zugleich aber auf die dominante Rolle der Energiepreise für die sehr hohe Inflationsdynamik hingewiesen. "Die Inflation dürfte über einen langen Prognosezeitraum hinweg weit über dem Zielwert liegen, die Netto-Risiken für die Inflation sind aufwärts gerichtet, und die Leitzinsen sind immer noch sehr akkommodierend. Deshalb war es angemessen, einen großen Schritt zu tun", sagte Lane bei einer Sitzung der EZB-Geldmarktkontaktgruppe laut veröffentlichtem Text. Bei der Kalibrierung eines Anpassungspfads für die Leitzinsen werde die angemessene Größe eines einzelnen Schritts umso höher sein, je größer der Abstand zum Zielzins (terminal rate) sei.
Lane wies aber andererseits darauf hin, dass die hohe Inflation nicht auf einem Nachfrage-Boom beruhe. Vielmehr sei der Energieschock eine dominierende Triebkraft der Inflationsdynamik und der allgemeinen Wirtschaftsaussichten, auch wegen der sehr deutlichen Verschlechterung der Terms of Trade. Der EZB-Chefvolkswirt wies darauf hin, dass die EZB-Strategie auch vorsehe, die Ursache der Abweichung vom Inflationsziel zu berücksichtigen.
Lane zufolge ist die EZB mit der Übertragung des Zinsschritts um 50 Basispunkte im Juli auf die Geldmarktsätze zufrieden. Damit dies auch mit Blick auf die 75 Basispunkte von vergangener Woche klappe, habe die EZB beschlossen, die Nullverzinsung staatlicher Einlagen aufzuheben, um einen Abfluss kurzlaufender Staatsanleihen aus der Eurosystem-Bilanz in den Markt zu verhindern. Damit wolle sie dafür sorgen, dass genug solcher Papiere als Sicherheiten zur Verfügung stünden. Lane zufolge wird die EZB weiterhin auf Spreads am Geldmarkt und auf Knappheiten achten.
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September 14, 2022 07:45 ET (11:45 GMT)