Panetta warnt vor zu starker EZB-Straffung
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Direktor Fabio Panetta hat vor einer zu starken geldpolitischen Straffung durch die Europäische Zentralbank (EZB) gewarnt. Panetta sagte bei einer Konferenz in Florenz laut veröffentlichtem Redetext, dass die bisherigen EZB-Zinsanhebungen wegen des Risikos einer Lösung der Inflationserwartungen angemessen gewesen seien. Er fügte aber hinzu: "Solange die Erwartungen verankert bleiben, sollte die Kalibrierung unserer Politik die beispiellose Unsicherheit der Welt nach der Pandemie berücksichtigen."
Wenn die EZB voreilig und fälschlicherweise zu dem Schluss kommen sollte, dass die Angebotsschocks das Produktionspotenzial dauerhaft gedrückt hätten, könnte die EZB die Wirtschaft einer übermäßigen Straffung aussetzen. "Wird dies nicht rasch korrigiert, könnte dies zu einem dauerhaften Produktionsverlust führen, da sich die Produktionskapazitäten an die erheblich und anhaltend niedrigere Nachfrage anpassen", warnte Panetta.
Die EZB hat ihre Zinsen seit Juli um 200 Basispunkte erhöht, zuletzt um 75 Basispunkte. Angesichts des erneut unerwartet starken Anstiegs der Verbraucherpeise im Oktober rechnen viele Analysten damit, dass ein ebenso großer Schritt bei der Dezember-Sitzung des EZB-Rats beschlossen werden könnte. Andererseits mehren sich die Warnungen vor einer zu starken Anhebung der Zinsen.
Panetta sagte, eine größere Vorsicht von Seiten der EZB schließe nicht aus, dass die Zentralbank "von der Rücknahme der Akkommodation zur Einschränkung der Nachfrage übergehen" müsse. "Da es jedoch keine eindeutigen Zweitrundeneffekte gibt, müssten wir überzeugende Beweise dafür vorlegen, dass die derzeitigen Schocks sich wahrscheinlich weiterhin stärker auf das Angebot als auf die Nachfrage auswirken werden."