Bei Befesa zählt die Bilanz mehr als der Umsatz
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Der Recycling-Spezialist Befesa steigert im zweiten Quartal das bereinigte EBITDA um 17 Prozent und bekräftigt die Jahresprognose. Die Aktie zeigt sich davon zunächst unbeeindruckt.
Manchmal ist ein guter Quartalsbericht vor allem eines: die Bestätigung, dass ein Geschäftsmodell trägt. Genau das lieferte der Umweltdienstleister Befesa. Der Spezialist für das Recycling von Stahlstaub und Aluminiumsalzschlacken meldete für das zweite Quartal 2026 ein bereinigtes EBITDA von 66 Mio. Euro, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr summiert sich der Wert auf 124 Mio. Euro, gut 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Rentabilität schlägt Umsatz
Die eigentliche Botschaft liegt in der Divergenz der Kennzahlen. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 2 Prozent, ausschließlich getrieben durch ungünstige Wechselkurse zwischen Euro und Dollar. Dass die bereinigte EBITDA-Marge im selben Zeitraum von 19 auf 21 Prozent stieg, zeigt, dass die operative Qualität nicht am Umsatz abzulesen ist. Befesa verdient bei sinkenden Erlösen mehr, und das hat einen nachvollziehbaren Grund.
Das Unternehmen wird dafür bezahlt, dass es Reststoffe wie Stahlstaub annimmt und verarbeitet, und verkauft die dabei gewonnenen Metalle anschließend weiter. Steigen die Verarbeitungsmengen und zugleich die Zinkpreise, wächst die Erlösseite aus dem Metallverkauf, während höhere Auslastung die Anlagen effizienter macht. Sinken parallel die Kosten für Koks und Strom, also die größten Posten im Prozess, bleibt von jedem verarbeiteten Kilo mehr Ertrag übrig. Der Nettogewinn legte entsprechend um 12 Prozent zu. Treiber bleiben die US-Aktivitäten, wo die Anlagenauslastung von 64 auf 67 Prozent kletterte.
Der Verschuldungsabbau als eigentlicher Hebel
Wer Befesa bewerten will, sollte die Bilanz stärker gewichten als die Gewinn- und Verlustrechnung. Der Netto-Verschuldungsgrad sank auf das 2,18-Fache des operativen Ergebnisses, nach dem 2,70-Fachen ein Jahr zuvor, und damit bereits das neunte Quartal in Folge. Dieser stetige Abbau ist der Punkt, an dem sich künftig Bewertungsspielraum öffnet, denn er verlagert Wert von den Gläubigern zu den Aktionären.
Verstärkt wird das durch sinkende Investitionen von rund 70 Mio. Euro, die den freien Cashflow entlasten. Die bis Ende 2028 verlängerte Zinkpreis-Absicherung auf einem Rekordniveau von 3.100 Dollar je Tonne nimmt zusätzlich Ergebnisrisiko aus einem sonst schwankungsanfälligen Geschäft.
Ausblick bekräftigt, aber ohne Überraschung
Für das Gesamtjahr hält Befesa an der Prognose eines bereinigten EBITDA von 250 bis 270 Mio. Euro fest, ein Plus von 3 bis 11 Prozent. Die Betonung, dass sich die Dynamik erst im zweiten Halbjahr verstärken soll, verlagert die entscheidende Bewährungsprobe nach hinten.
Genau hier liegt der Grund für die verhaltene Kursreaktion. Dass sie bei rund 32 Euro verharrt, dürfte aber kein Misstrauensvotum sein, sondern Ausdruck eines Marktes, der Bestätigung erwartet hatte und nun auf die Beschleunigung im Schlussquartal wartet.
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Erstellung am 29.07.26 um 11:44 Uhr.
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