Cancom: Marge hoch, doch Börse bleibt skeptisch
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Cancom hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich profitabler gewirtschaftet und das EBITDA um mehr als ein Drittel gesteigert. Doch die Aktie reagierte mit Abschlägen, was auch nachvollziehbar war.
Auf den ersten Blick sah der Halbjahresbericht des IT-Dienstleisters nach einer Erfolgsgeschichte aus. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das EBITDA, kletterte um 34 Prozent auf 49,2 Mio. Euro. Beim EBITA, das zusätzlich die planmäßigen Abschreibungen berücksichtigt, fiel der Sprung mit einem Plus von 110,8 Prozent auf 21,5 Mio. Euro sogar noch spektakulärer aus. Unter dem Strich verdiente Cancom 11,2 Mio. Euro nach mageren 2,76 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Ertragskraft steigt, doch das Geschäft schrumpft
Der Haken an dieser Rechnung: Die verbesserte Profitabilität ist zu einem erheblichen Teil das Ergebnis eines konsequenten Sparkurses und nicht eines wachsenden Geschäfts. Der Konzernumsatz sank im ersten Halbjahr um rund 3,5 Prozent auf 775,9 Mio. Euro. Begründet wurde dies mit verzögerten Investitionsentscheidungen der Kunden.
Dass die eingeleiteten Effizienzmaßnahmen und die strikte Kostendisziplin greifen, ist unbestritten. Die Rohertragsmarge verbesserte sich spürbar auf 44,2 Prozent nach 41,8 Prozent. Eine dauerhaft tragfähige Ergebnisqualität entsteht jedoch erst dann, wenn auch die Umsätze wieder anziehen. Bislang stützt vor allem das Segment Deutschland, wo das EBITDA bei stabilem Umsatz von 500,7 Mio. Euro auf 30,6 Mio. Euro mehr als verdoppelt wurde. Das internationale Geschäft entwickelte sich dagegen rückläufig, sowohl beim Umsatz mit 275,2 Mio. Euro als auch beim Ergebnisbeitrag.
Der Cashflow als eigentliches Warnsignal
Ebenfalls problematisch: Der operative Cashflow rutschte im ersten Halbjahr auf minus 109,6 Mio. Euro ab nach einem knapp positiven Wert von 0,9 Mio. Euro im Vorjahr. Cancom begründet dies mit Investitionen in das Working Capital, also mit im Geschäftsablauf gebundenem Kapital etwa aus Vorräten und offenen Forderungen. Solche Schwankungen sind bei projektlastigen IT-Dienstleistern nicht ungewöhnlich und gleichen sich über das Jahr oft aus. Dennoch schmilzt der Liquiditätspuffer sichtbar, denn die flüssigen Mittel beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf nur noch 21,5 Mio. Euro.
Ambitionierte Prognose in schwierigem Umfeld
Die Jahresprognose wurde trotzdem bekräftigt. Der Umsatz soll in diesem Jahr auf 1,75 bis 1,85 Mrd. Euro steigen, das EBITDA auf 110 bis 130 Mio. Euro. Das würde aber auch bedeuten, dass Cancom von einer deutlichen Beschleunigung im zweiten Halbjahr ausgeht. Das klingt im aktuellen Umfeld zunehmend anspruchsvoll, was auch die negative Kursreaktion erklärt. Cancom liefert operativ, doch der Beweis für nachhaltiges Wachstum steht noch aus. Anleger sollten hier besser an der Seitenlinie bleiben.
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Erstellung am 11.08.26 um 11:05 Uhr.
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