Thyssenkrupp nucera: Wasserstoff bleibt flüchtig
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Thyssenkrupp nucera hat seinen Auftragseingang in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres nahezu verdoppelt. Zugleich zwingt der Rückzug aus einer eigenen Wasserstoff-Serienfertigung zu einer Absenkung der Ergebnisprognose.
Der Elektrolyse-Spezialist Thyssenkrupp nucera hat bestätigt, was das Unternehmen bereits Ende Juli in vorläufigen Zahlen angedeutet hatte. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2025/2026 stieg der Auftragseingang um 29 Prozent auf 81 Mio. Euro. Über die ersten neun Monate summiert er sich auf 471 Mio. Euro, nach 241 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum, was einem Zuwachs von 96 Prozent entspricht.
Wesentlicher Treiber war der Großauftrag für das 300-Megawatt-Neubauprojekt von Moeve, der größten grünen Wasserstoffanlage Südeuropas, das inzwischen um ein umfangreiches Servicepaket ergänzt wurde. Ergänzend hat sich das Unternehmen über eine Partnerschaft mit der indischen BHEL Zugang zum wachsenden Wasserstoffmarkt in Indien verschafft.
Chlor-Alkali trägt das Geschäft
Das relativiert allerdings nicht das Gesamtbild der neun Monate. Der Konzernumsatz fiel von 663 Mio. Euro auf 354 Mio. Euro, das EBIT rutschte von 4 Mio. Euro auf -69 Mio. Euro. Verantwortlich ist das Segment Grüner Wasserstoff, dessen Umsatz um rund 79 Prozent auf 80 Mio. Euro einbrach, nachdem das NEOM-Großprojekt in Saudi-Arabien und weitere Referenzprojekte weitgehend abgearbeitet sind.
Das Chlor-Alkali-Geschäft, das die Elektrolyse für die Chlor- und Natronlaugenproduktion liefert, zeigte sich gegen den Trend wachstumsstark. Der Umsatz wurde im dritten Quartal um 34 Prozent gesteigert und der operative Gewinn auf 15 Mio. Euro verbessert. Gemeinsam mit einer verbesserten Bruttomarge und einem strikten Kostenmanagement kompensierte diese Stärke den Umsatzrückgang fast vollständig, sodass das Konzern-EBIT im dritten Quartal bei lediglich -2 Mio. Euro landete.
Rückzug aus der Hochtemperatur-Elektrolyse
Für die eigentliche Belastung sorgte die strategische Entscheidung, den Aufbau einer eigenen Serienfertigung für die Hochtemperatur-Elektrolyse einzustellen. Dies wird mit einer fehlenden wirtschaftlichen Perspektive begründet. Dadurch fallen im vierten Quartal einmalige Ergebnisbelastungen von rund 30 Mio. Euro an.
Als Folge senkte das Management die Jahresprognose ein weiteres Mal. Das Konzern-EBIT wird nun zwischen -105 Mio. Euro und -75 Mio. Euro erwartet, zuvor lag die Spanne bei -80 Mio. Euro bis -30 Mio. Euro. Auch die Umsatzerwartung wurde auf 450 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro eingegrenzt. Immerhin: Ab dem kommenden Geschäftsjahr entfallen dadurch Ausgaben von bis zu 10 Mio. Euro im EBIT und rund 20 Mio. Euro im Cashflow.
Diese Nachricht muss erst einmal verdaut werden, wie auch die direkte Kursreaktion der Aktie zeigte. Zumindest ist Thyssenkrupp nucera mit einem Nettofinanzguthaben von 627 Mio. Euro noch recht gut ausgestattet. Allerdings muss der Cashflow im Auge behalten werden, der zuletzt wieder deutlich ins Minus lief. Kurzes Fazit: Es gibt positive Ansätze wie das Chlor-Alkali-Geschäft, aber noch viele Baustellen – und das gilt für die gesamte Wasserstoff-Branche. Zurückhaltung bleibt also ratsam.
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Erstellung am 12.08.26 um 13:33 Uhr.
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